Kärnten setzt weitere Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung

LH Kaiser, LHStv.in Prettner, LR Schuschnig: Ab Montag müssen Lokale ab 15 Uhr schließen – Vorzeitige Beendigung der Wintersaison – Besuchersperre in KABEG Spitälern – Fake News verurteilt

Klagenfurt (LPD). Nach der Sitzung mit der Spitze der Bundesregierung und acht anderen Landeshauptleuten in Wien und im Anschluss an das tägliche Experten-Koordinationsgespräch in Klagenfurt, informierte heute, Freitag, Landeshauptmann Peter Kaiser gemeinsam mit Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner und Tourismusreferent LR Sebastian Schuschnig über weitere Schritte zur Eindämmung des Coronavirus in Kärnten. Die neuen Maßnahmen haben zum Ziel, die sozialen Kontakte zum Schutz der Bevölkerung deutlich zu reduzieren.

„Die Lage in Österreich und Kärnten spitzt sich zu, das Coronavirus breitet sich weiter aus – nämlich um 40 Prozent mehr pro Tag“, sagte der Landeshauptmann. Aktuell gebe es 430 Fälle in Österreich und vier Fälle in Kärnten. „Um die als Altersgruppe gefährdeten Menschen – 70 Plus – sowie Menschen mit Schwächen und Vorerkrankungen zu schützen, ist es notwendig, das die sozialen Kontakte drastisch zu reduzieren.“

Die bereits beschlossenen Maßnahmen wie Grenzkontrollen würden aufrecht bleiben. Der Schulunterricht werde für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ab Montag und für die Unterstufe sowie Volksschule, Kindergärten ab Mittwoch ausgesetzt, wobei Schüler unter 14 Jahren auch bereits ab Montag ohne Entschuldigung zuhause bleiben können. In den Landeskrankenanstalten gilt ein Besuchsverbot, ausgenommen seien nur die Palliativmedizin und die Geburtenstation. Auch Kärntner Pflegeheime seien angewiesen, nur in absoluten Ausnahmefällen Besuche zu gestatten.

Ab Montag gelten für eine Woche folgende Maßnahmen: Alle Arbeitgeber sollen, wenn möglich, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Telearbeit genehmigen. Die Gastronomie dürfe nur mehr bis 15 Uhr geöffnet haben. „Alle Geschäfte bleiben für eine Woche geschlossen, ausgenommen sind der Lebensmittelhandel, Drogerien, Apotheken, Banken, Geschäfte für Tierfutter, Agrarhandel, Tankstellen, Post und Telekom, Trafiken und Zeitungskioske. Weiters Geschäfte für Sicherheits- und Notfallproduktion, für medizinische Produkte, für Gesundheits- und Pflegedienstleistung, für Hygiene, Lieferdienste und der Öffentliche Verkehr. „Damit bleibt die Funktionsfähigkeit des Staates gewährleistet“, betonte der Landeshauptmann.

Außenpolitisch gebe es die Einstellung der Flugverbindungen zu Spanien, Frankreich und in die Schweiz. Außerdem Kontrollen an den Grenzen zu Liechtenstein und zur Schweiz. Besonders hingewiesen hat Kaiser auch auf den Hotspot in Österreich, in Tirol, wo sechs Ortschaften unter Quarantäne gestellt seien.

Da große Probleme für die Wirtschaft zu erwarten seien, werde aktuell von der Bundesregierung ein erstes Hilfspaket erarbeitet, zu dem es morgen erste Details geben werde. Deutlich verurteilt wurden von Kaiser Falschmeldungen im Internet. „Es stimmt nicht, dass Lebensmittelgeschäfte geschlossen werden oder es eine Ausgangssperre gibt. Wer so etwas in die Welt setzt schadet der Bevölkerung insgesamt und auch sich selbst.“

Besonders dankte der Landeshauptmann jenen Menschen, die weiter ihre Arbeit zum Wohl der Allgemeinheit verrichten würden. „Ich sehe sie als kleine Lebensretter für viele“, so Kaiser. Der Landeshauptmann verwies wiederum auf die große Verantwortung jeder Einzelnen und jedes Einzelnen. „Wir müssen die Situation ernst nehmen. Jede und jeder Einzelne hat eine Verantwortung für sich selbst und auch für andere, insbesondere für die besonders gefährdeten Menschen. Bleiben wir optimistisch, dann werden wir das gemeinsam überstehen. Ich bedanke mich dafür, dass sie dazu beitragen werden.“

Gesundheitsreferentin Prettner berichtete von Berechnungen der TU Wien, die sehr dramatisch und eindringlich zeigen würden, wie notwendig die Reduzierung sozialer Kontakte sei: „Würden wir keine diesbezüglichen Maßnahmen setzen, hätte Österreich Ende Mai rund zwei Millionen Corona-Erkrankte. Reduzieren wir unsere sozialen Kontakte um zehn Prozent, kämen wir mit Ende Mai auf rund 1,2 Millionen Fälle. Bei einer Reduzierung um 25 Prozent kann es uns aber gelingen, die Erkrankungskurve massiv abzuflachen – der Höhepunkt wäre dann mit rund 360.000 Fällen im August erreicht.“

Das Wichtigste sei nun, die wichtigste Ressource, nämlich die der Gesundheitsversorgung, intakt zu halten: „Wir haben derzeit in den Kärntner Krankenanstalten 120 Intensivbetten für Erwachsene und 35 für Kinder – wobei damit Intensivbetten auf dem höchsten medizinischen Level gemeint sind mit modernsten Beatmungsgeräten.“ Es gebe die Möglichkeit, die Zahl der Intensivbetten kurzfristig aufzustocken, beispielsweise im Klinikum von derzeit 69 auf zumindest 80. Zusätzlich könnten so genannte IMC-Betten, also Intermediate-Care-Betten angeboten werden.

„Ich plädiere und appelliere wirklich an alle Kärntnerinnen und Kärntner: Tragen Sie die Maßnahmen mit, schränken Sie Ihre sozialen Kontakte auf das Notwendigste ein – gemeinsam können und werden wir es schaffen“, betonte Prettner.

Tourismusreferent Schuschnig hob hervor, dass die neuen Maßnahmen nicht leichtgefallen, aber wohlüberlegt und in Verantwortung für das Land gefällt worden seien. „Es geht aber jetzt um unser höchstes Gut – die Gesundheit der Menschen und nach der Corona-Krise um die Genesung der Wirtschaft und des Standortes.“

Schuschnig berichtete von den Maßnahmen im Tourismus und im Öffentlichen Verkehr. „Die Wintersaison wird vorzeitig beendet. Ab Sonntag 17 Uhr schließen die Seilbahnen, ab Montag 20 Uhr die Beherbergungsbetriebe, nicht aber in den Bezirkshauptstädten außer in Hermagor und Spittal.“ Das LKW-Nachtfahrverbot trete außer Kraft. Im Öffentlichen Verkehr müsse auf die Bediensteten und auf die Fahrgäste geschaut werden, dafür habe man den Bargeldverkauf in den Bussen eingestellt und werden schrittweise Bankomate eingeführt.

Verwiesen hat Schuschnig auf die Unterstützung der Unternehmerinnen und Unternehmer. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagte er. So werde beispielsweise der Fördercall für Leuchtturmprojekte ausgesetzt und anders verwendet werden. „Wir in der Kärntner Landesregierung arbeiten gemeinsam mit so einem starken Schulterschluss wie niemals zuvor“, betonte Schuschnig.

I N F O: Auskünfte für die Bevölkerung gibt es rund um die Uhr unter der kostenlosen AGES-Infoline Coronavirus 0800 555 621. Die Gesundheitshotline 1450 soll nur bei Krankheitssymptomen kontaktiert werden. Informationen findet man außerdem unter www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus. Berichte und ein Informationsblatt mit Verhaltensregeln für Einreisende aus Risikogebieten gibt es unter https://www.ktn.gv.at.

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